Volltrunken und versichert - Urteil SG Dortmund 01.02.2018, S 18 U 211/15

Der Arbeitgeber hatte eine 2-tägige Veranstaltung angesetzt zur Verbesserung der Zusammenarbeit der Abteilungen. Die Veranstaltung fand in einem Hotel statt, wobei an beiden Nachmittagen Workshops vorgesehen waren und am Abend des ersten Tages ein feucht-fröhlicher Grillabend auf dem Programm stand. Anfänglich bestand Anwesenheitspflicht und die Kosten wurden sämtlich vom Arbeitgeber getragen. Zwischen 23:30 Uhr und 01:00 Uhr machten sich 2 Frauen auf die Suche nach einer Toilette, welche sie lediglich erreichen konnten, indem sie aus der ausgebauten Scheune, in der die Veranstaltung stattfand, in das Haupthaus des Hotels gingen. Die beiden Damen stiegen die Stahltreppe zum Seminarraum hinauf, weil sie dort das WC vermuteten.

Die Tür zu dem Raum war jedoch verschlossen, also traten sie den Rückweg über die Treppe an. Hierbei knickte eine der beiden Frauen um und brach sich das linke Sprunggelenk.

Die Berufsgenossenschaft Holz und Metall lehnte die Anerkennung eines Arbeitsunfalls ab, weil sich die Mitarbeiterin zum Unfallzeitpunkt nicht bei einer versicherten Tätigkeit befunden habe, eine Blutalkoholkonzentration um 04:10 Uhr noch 1,99 Promille aufwies und zum Unfallzeitpunkt halb hohe Stiefeletten mit Keilabsätzen trug.

Die verletzte Frau klagte gegen die Entscheidung und wollte einen Arbeitsunfall anerkannt wissen.

Die Veranstaltung wurde durch den Arbeitgeber nicht befristet und auch nicht offiziell beendet. Es wurden sowohl geschäftliche, als auch private Dinge besprochen und das Konsumieren von Alkohol sei bei solchen Anlässen „betriebsüblich“.

Die verletzte Frau und die Zeugin hätten noch gut gehen können und auch weitere Anwesende erklärten, dass es kein Limit für die Getränke gegeben habe und kein Ende der Veranstaltung bekannt gegeben worden sei.

Das SG Dortmund stellte insoweit fest, dass ein Arbeitsunfall vorliegt. Er ereignete sich im Rahmen einer Betriebsgemeinschaftsveranstaltung, welche auch den Weg zur Toilette versichert.

Der Alkoholkonsum habe dem Ziel der Veranstaltung nicht entgegengestanden und die Klägerin sei noch „zu einer angemessenen Teilnahme an dem geselligen Beisammensein in der Lage gewesen“.

Als Anwältin für Arbeitrecht stehe ich Ihnen  in Fragen des Unfallschutzes oder rundum das Arbeitsrecht zur Verfügung.